Flexibilitätsvermarktung für Industrieunternehmen: Definition & Vorteile

Was bedeutet Flexibilitätsvermarktung für Industrieunternehmen?
Flexibilitätsvermarktung ist für viele Industrieunternehmen noch Neuland, birgt aber enormes Potenzial: Die gezielte Steuerung von Energieverbrauch und -erzeugung wird dabei zur Einnahmequelle. Unternehmen, die ihre Produktionsprozesse, Speicher oder Eigenerzeugungsanlagen flexibel anpassen können, bieten diese Flexibilität am Energiemarkt an – und profitieren von zusätzlichen Erlösen bei gleichzeitiger Unterstützung der Netzstabilität.
Die Energiewende hat die Rahmenbedingungen grundlegend verändert: Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien wie Wind- und Solaranlagen führt zu stärkeren Schwankungen im Stromnetz. Genau hier setzt Flexibilitätsvermarktung an. Sie ermöglicht es Industrieunternehmen, auf volatile Strompreise und Netzsignale zu reagieren und dabei sowohl ökonomisch als auch ökologisch zu profitieren.
Definition: Was ist Flexibilitätsvermarktung?
Flexibilitätsvermarktung bezeichnet den gezielten Handel mit der Fähigkeit, Stromverbrauch oder -erzeugung kurzfristig zu verändern. Konkret bedeutet dies, dass Industrieunternehmen ihre Anlagen so steuern, dass sie bei Bedarf mehr oder weniger Energie verbrauchen oder einspeisen können. Diese Flexibilität wird dann an verschiedenen Energiemärkten angeboten und vergütet.
Die Bundesnetzagentur definiert Flexibilität als "die Veränderung von Einspeisung oder Entnahme in Reaktion auf ein externes Signal (Preissignal oder Aktivierung) mit dem Ziel, eine Dienstleistung im Energiesystem zu erbringen." Für Industrieunternehmen bedeutet das: Vorhandene technische Möglichkeiten zur Lastanpassung werden zu einer marktfähigen Ressource.
Dabei geht es nicht nur um große Kraftwerke. Auch mittelständische Industriebetriebe mit Batteriespeichern, Blockheizkraftwerken (BHKW), Kühlhäusern, Power-to-Heat-Anlagen oder flexiblen Produktionslasten können ihre Energieflexibilitäten gewinnbringend vermarkten. Die technologische Grundlage bilden intelligente Energiemanagementsysteme, die Verbrauch, Erzeugung und Marktpreise in Echtzeit analysieren und optimale Steuerungsentscheidungen treffen.
Welche Flexibilitäten können Industrieunternehmen vermarkten?
Industrieunternehmen verfügen über vielfältige Flexibilitätsquellen, die sich für die Vermarktung eignen:
Lastmanagement (Demand Side Management)
Durch gezieltes Lastmanagement können Unternehmen ihren Stromverbrauch zeitlich verschieben oder kurzfristig anpassen. Typische Anwendungsfälle sind:
- Industrielle Querschnittstechnologien: Lüftungsanlagen, Pumpen, Druckluftkompressoren oder Kühlhäuser können ihre Leistung für begrenzte Zeiträume reduzieren oder erhöhen, ohne dass Produktionsprozesse beeinträchtigt werden.
- Flexible Produktionsprozesse: Mahlwerke, Zerkleinerungsanlagen oder andere Prozesse, die zeitlich verschiebbar sind, können bei niedrigen Strompreisen intensiviert und bei hohen Preisen gedrosselt werden.
- Abschaltbare Lasten: Bestimmte Verbraucher können bei Netzengpässen oder extrem hohen Preisen temporär abgeschaltet werden, sofern dies betrieblich vertretbar ist.
Eigenerzeugungsanlagen
Unternehmen mit eigenen Stromerzeugungsanlagen besitzen wertvolle Flexibilität:
- Blockheizkraftwerke (BHKW): Diese können ihre Stromerzeugung an Marktpreise anpassen – bei hohen Preisen mehr produzieren, bei niedrigen Preisen die Erzeugung drosseln oder ganz einstellen.
- Netzersatzanlagen: Auch Notstromaggregate, die normalerweise nur für den Notfall bereitstehen, können am Markt für kurzfristige Reserveleistung eingesetzt werden.
- Photovoltaik-Anlagen: Große PV-Anlagen können in Kombination mit Speichern und intelligenten Steuerungen ihre Einspeisung optimieren.
Speichersysteme
Batteriespeicher und thermische Speicher bieten besonders hohe Flexibilität:
- Batteriegroßspeicher: Sie können bei niedrigen Strompreisen laden und bei hohen Preisen entladen, wodurch sie von Preisarbitrage profitieren. Gleichzeitig können sie extrem schnell auf Netzsignale reagieren und sind daher ideal für Regelenergiemärkte geeignet.
- Thermische Speicher & Power-to-Heat: Unternehmen mit Wärmebedarf können elektrische Heizkessel oder Wärmepumpen bei Stromüberschüssen betreiben und die Wärme speichern. Bei hohen Strompreisen wird dann auf konventionelle Wärmequellen oder gespeicherte Wärme zurückgegriffen.
Durch den Einsatz intelligenter Systeme wie ifesca.ENERGY® können diese Flexibilitäten präzise erfasst, prognostiziert und automatisiert am Markt platziert werden. KI-gesteuerte Prognosen ermöglichen dabei eine vorausschauende Planung, die sowohl betriebliche Anforderungen als auch Marktchancen optimal berücksichtigt.
Wie funktioniert Flexibilitätsvermarktung in der Praxis?
Der Prozess der Flexibilitätsvermarktung lässt sich in mehrere Schritte unterteilen:
1. Potenzialanalyse
Zunächst wird ermittelt, welche Flexibilitäten im Unternehmen vorhanden sind. Hierbei werden technische Parameter, Verbrauchsprofile, Produktionsabläufe und vorhandene Anlagen analysiert. Eine strukturierte Potenzialanalyse identifiziert nutzbare Flexibilitäten und bewertet deren wirtschaftliches Potenzial.
2. Technische Integration
Die identifizierten Flexibilitäten werden über geeignete Schnittstellen (z.B. API, Modbus, OPC UA) an ein Energiemanagementsystem angebunden. Moderne Plattformen wie ifesca.ENERGY® integrieren sich nahtlos in bestehende Infrastrukturen und ermöglichen eine präzise Messwerterfassung sowie KI-gesteuerte Prognosen für Verbrauch und Erzeugung.
3. Pooling und Bündelung
Viele Industrieunternehmen haben einzeln nicht die Mindestgröße, um direkt an Energiemärkten teilzunehmen (z.B. Regelenergiemarkt: oft mehrere MW erforderlich). Daher werden Flexibilitäten häufig in einem virtuellen Kraftwerk gebündelt. Spezialisierte Dienstleister (Aggregatoren) fassen die Flexibilitäten mehrerer Unternehmen zusammen und vermarkten sie gemeinsam.
4. Marktvermarktung
Die gebündelten oder individuellen Flexibilitäten werden an verschiedenen Märkten platziert:
- Regelenergiemarkt: Bereitstellung von Primär-, Sekundär- oder Minutenreserve zur Netzstabilisierung
- Intraday-Markt (EPEX Spot): Kurzfristiger Handel von Strom, oft bis wenige Minuten vor Lieferung, um auf Prognoseabweichungen zu reagieren
- Day-Ahead-Markt: Handel für den Folgetag basierend auf Preisprognosen
- Bilanzkreismanagement: Vermeidung von Ausgleichsenergiekosten durch präzise Steuerung
5. Automatisierte Steuerung
Basierend auf Marktpreisen, Netzsignalen und betrieblichen Rahmenbedingungen steuert das Energiemanagementsystem die Anlagen automatisch. Dabei hat die Betriebssicherheit stets Vorrang: Manuelle Eingriffe bleiben jederzeit möglich, und kritische Produktionsprozesse werden niemals gefährdet.
6. Abrechnung und Erlöse
Die erzielten Erlöse werden typischerweise zwischen dem Unternehmen und dem Dienstleister aufgeteilt. Übliche Modelle sehen eine Aufteilung von 70-80% für das Unternehmen und 20-30% für den Vermarktungspartner vor.
Relevante Märkte für die Flexibilitätsvermarktung
Regelenergiemarkt
Der deutsche Regelenergiemarkt ist ein zentraler Baustein für die Netzstabilität. Er gliedert sich in drei Qualitäten:
- Primärregelleistung (PRL): Aktivierung innerhalb von Sekunden, symmetrisch (positive und negative Regelung)
- Sekundärregelleistung (SRL): Aktivierung innerhalb von 5 Minuten
- Minutenreserve (MRL): Aktivierung innerhalb von 15 Minuten
Industrieunternehmen können durch Lastabwurf, flexible Erzeugung oder Speicher an diesen Märkten teilnehmen. Die Vergütung erfolgt durch einen Leistungspreis (für die Bereitstellung) und einen Arbeitspreis (für den tatsächlichen Abruf). Die Teilnahme erfolgt über die zentrale Plattform regelleistung.net.
Intraday-Markt (EPEX Spot)
Der kontinuierliche Intraday-Markt der EPEX Spot ermöglicht den Handel von Strom bis zu 5 Minuten vor der physischen Lieferung. Dieser Markt ist besonders wichtig für:
- Ausgleich von Prognoseabweichungen: Wind- und Solarprognosen können kurzfristig stark abweichen
- Preisarbitrage: Kauf bei niedrigen und Verkauf bei hohen Preisen
- Bilanzkreisoptimierung: Vermeidung von Ausgleichsenergiekosten
Der Handel erfolgt in 15-Minuten-, 30-Minuten- oder Stundenblöcken. Die Preise schwanken je nach Angebot und Nachfrage teilweise erheblich, was Chancen für flexible Anlagen bietet.
Day-Ahead-Markt
Am Day-Ahead-Markt wird Strom für den Folgetag gehandelt. Unternehmen mit guten Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen können hier bereits vorausschauend ihre Positionen optimieren.
Lokale Flexibilitätsmärkte
Zunehmend entstehen auch lokale und regionale Flexibilitätsmärkte, auf denen Verteilnetzbetreiber Flexibilitäten zur Vermeidung von Netzengpässen nachfragen. Diese Märkte befinden sich noch in der Entwicklung, bieten aber zusätzliches Potenzial.
Welche Vorteile bietet Flexibilitätsvermarktung?
Ökonomische Vorteile
Zusätzliche Erlöse: Durch die Vermarktung von Flexibilitäten können Unternehmen je nach Anlagengröße und Flexibilitätspotenzial zusätzliche Erlöse im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Jahr erzielen. Typische Erlösmodelle sehen vor, dass das Unternehmen 70-80% der Markterlöse erhält.
Energiekostensenkung: Intelligentes Lastmanagement hilft, teure Lastspitzen zu vermeiden und von günstigen Strompreisen zu profitieren. Studien zeigen Einsparpotenziale von 5-23% der bisherigen Stromkosten durch systematisches Lastmanagement.
Bessere Anlagenauslastung: Vorhandene Anlagen wie BHKW, Speicher oder Netzersatzanlagen werden wirtschaftlicher genutzt, wenn sie neben ihrer ursprünglichen Funktion auch am Markt tätig sind.
Ökologische Vorteile
Beitrag zur Energiewende: Flexibilitätsvermarktung erleichtert die Integration erneuerbarer Energien, indem sie Schwankungen ausgleicht. Unternehmen leisten damit einen messbaren Beitrag zur CO₂-Reduktion.
Reduktion von CO₂-Emissionen: Durch optimierte Energienutzung und Vermeidung ineffizienter Spitzenlastkraftwerke sinken die Emissionen. Innovative Lösungen wie ifesca.ENERGY® helfen, Energieverbrauch zu reduzieren und CO₂-Emissionen einzusparen.
Netzstabilisierung: Flexible Lasten und Erzeugungsanlagen tragen zur Frequenzhaltung bei und reduzieren die Notwendigkeit für konventionelle Reservekraftwerke.
Strategische Vorteile
Imagegewinn: Unternehmen, die aktiv an der Energiewende teilnehmen, profitieren von einem positiven Image bei Kunden, Investoren und der Öffentlichkeit.
Versorgungssicherheit: Eigene Flexibilitäten stärken die Unabhängigkeit von externen Stromlieferungen und erhöhen die Resilienz bei Netzstörungen.
Technologische Kompetenz: Die Implementierung intelligenter Energiemanagementsysteme fördert die Digitalisierung und schafft Wissen für zukünftige Innovationen.
Technische Voraussetzungen und Anforderungen
Messinfrastruktur
Eine präzise Erfassung von Verbrauch und Erzeugung ist essentiell. Dazu gehören:
- Registrierende Lastgangmessung (RLM): Viertelstündliche Erfassung der Leistung
- Smart Meter Gateways (SMGW): Für sichere Kommunikation und Fernsteuerbarkeit
- Unterzähler und Sensorik: Zur Erfassung einzelner Verbraucher oder Erzeugungsanlagen
Steuerungs- und Kommunikationstechnik
Flexibilitätsvermarktung erfordert eine schnelle und zuverlässige Steuerung:
- API-Schnittstellen: Zur Anbindung an Marktplattformen und Energiemanagementsysteme
- SCADA-Systeme: Für industrielle Steuerung und Überwachung
- Latenz: Besonders bei Regelenergiemärkten sind Reaktionszeiten im Sekunden- bis Minutenbereich gefordert
Energiemanagementsoftware
Moderne Energiemanagementsysteme wie ifesca.ENERGY® bieten:
- KI-gesteuerte Prognosen: Für Verbrauch, Erzeugung und Marktpreise
- Automatisierte Optimierung: Echtzeitsteuerung basierend auf betrieblichen und wirtschaftlichen Zielen
- Nahtlose Integration: Anbindung an bestehende Systeme und Anlagen
- Transparente Visualisierung: Übersicht über Energieflüsse, Kosten und Erlöse
Cybersecurity und Datenschutz
Die Einbindung in Energiemärkte erfordert hohe Sicherheitsstandards:
- Verschlüsselte Kommunikation: Schutz vor unbefugtem Zugriff
- Redundante Systeme: Ausfallsicherheit bei Netz- oder Cloudstörungen
- Compliance: Einhaltung regulatorischer Vorgaben (z.B. DSGVO, IT-Sicherheitskatalog)
Regulatorische Rahmenbedingungen
Marktzugang und Präqualifikation
Für die Teilnahme am Regelenergiemarkt ist eine Präqualifikation erforderlich. Dabei werden technische und regulatorische Anforderungen überprüft:
- Mindestleistung: Je nach Markt (z.B. 1 MW für SRL/MRL)
- Technische Nachweise: Fernsteuerbarkeit, Reaktionsgeschwindigkeit, Verfügbarkeit
- Bilanzkreiszuordnung: Zuordnung zu einem Bilanzkreis
EEG und Marktprämie
Anlagen, die EEG-Förderung erhalten (z.B. PV, Wind, BHKW), unterliegen besonderen Regelungen bei der Flexibilitätsvermarktung. Eine Kombination ist möglich, erfordert aber genaue Kenntnis der gesetzlichen Vorgaben.
Netzentgelte und Abgaben
Flexibilitätsvermarktung kann Auswirkungen auf Netzentgelte, Stromsteuer und EEG-Umlage haben. Eine sorgfältige Analyse der individuellen Situation ist notwendig, um unerwünschte Mehrbelastungen zu vermeiden.
Datenschutz und Meldepflichten
Teilnehmer an Energiemärkten müssen bestimmte Daten an Netzbetreiber, Übertragungsnetzbetreiber und Marktplattformen übermitteln. Die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben ist dabei sicherzustellen.
Schritt-für-Schritt: Wie startet man mit Flexibilitätsvermarktung?
Schritt 1: Bestandsaufnahme und Potenzialanalyse
Ermitteln Sie systematisch, welche Flexibilitäten in Ihrem Unternehmen vorhanden sind:
- Welche Anlagen können flexibel gesteuert werden?
- Wie groß sind die technischen Flexibilitätspotenziale (kW/MW)?
- Welche Einschränkungen gibt es aus produktionstechnischer Sicht?
- Welche Anlagen sind bereits fernsteuerbar?
Professionelle Dienstleister bieten hierzu strukturierte Analysen an, die technische und wirtschaftliche Bewertungen kombinieren.
Schritt 2: Wirtschaftlichkeitsrechnung
Auf Basis der Potenzialanalyse wird eine Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellt:
- Geschätzte Erlöse aus Flexibilitätsvermarktung
- Investitionskosten (Messtechnik, Steuerung, Software)
- Laufende Kosten (Dienstleister, Wartung)
- Amortisationszeit und Return on Investment (ROI)
Schritt 3: Technische Umsetzung
Die identifizierten Flexibilitäten werden technisch erschlossen:
- Installation von Mess- und Steuerungstechnik
- Integration in ein Energiemanagementsystem (z.B. ifesca.ENERGY®)
- Anbindung an Marktplattformen über geeignete Schnittstellen
- Test und Inbetriebnahme
Schritt 4: Auswahl des Vermarktungspartners
Wählen Sie einen erfahrenen Dienstleister, der:
- Direkten Zugang zu relevanten Märkten hat
- Transparente und faire Vergütungsmodelle anbietet
- Technische Unterstützung und 24/7-Monitoring gewährleistet
- Langjährige Erfahrung und Referenzen vorweisen kann
ifesca bietet als führender Anbieter intelligenter Energiemanagementlösungen umfassende Unterstützung bei der Implementierung und Vermarktung von Flexibilitäten.
Schritt 5: Präqualifikation und Marktstart
Bei Teilnahme am Regelenergiemarkt erfolgt die Präqualifikation durch den zuständigen Übertragungsnetzbetreiber. Nach erfolgreicher Prüfung kann die aktive Vermarktung beginnen.
Schritt 6: Laufender Betrieb und Optimierung
Im laufenden Betrieb erfolgen kontinuierliche Überwachung, Abrechnung und Optimierung:
- Monitoring von Erlösen und Performance
- Anpassung von Strategien an Marktentwicklungen
- Regelmäßige technische Wartung
- Erweiterung um zusätzliche Flexibilitäten
Herausforderungen und Lösungsansätze
Betriebssicherheit gewährleisten
Herausforderung: Die größte Sorge vieler Industrieunternehmen ist, dass Flexibilitätsvermarktung die Produktion beeinträchtigen könnte.
Lösung: Moderne Systeme wie ifesca.ENERGY® berücksichtigen betriebliche Rahmenbedingungen vollständig. Manuelle Eingriffe sind jederzeit möglich, und kritische Prozesse werden durch definierte Grenzwerte geschützt. Die Steuerung erfolgt nur innerhalb vorgegebener, sicherer Parameter.
Komplexität der Märkte
Herausforderung: Energiemärkte sind komplex und erfordern spezialisiertes Wissen.
Lösung: Erfahrene Dienstleister übernehmen das Marktmanagement und stellen sicher, dass Flexibilitäten optimal platziert werden. Das Unternehmen profitiert von den Erlösen, ohne sich um die operative Marktsteuerung kümmern zu müssen.
Investitionskosten
Herausforderung: Die technische Erschließung von Flexibilitäten erfordert Investitionen in Messtechnik, Steuerung und Software.
Lösung: Die Amortisationszeiten liegen in der Regel bei 2-4 Jahren. Zudem gibt es Förderprogramme für Energieeffizienz und Digitalisierung, die Investitionskosten reduzieren können.
Regulatorische Unsicherheiten
Herausforderung: Regelungen und Marktdesigns ändern sich regelmäßig.
Lösung: Spezialisierte Dienstleister beobachten regulatorische Entwicklungen kontinuierlich und passen Strategien entsprechend an. So bleiben Unternehmen compliant und nutzen neue Chancen frühzeitig.
Praxisbeispiele: Flexibilitätsvermarktung erfolgreich umgesetzt
Beispiel 1: Chemieunternehmen mit BHKW und Lastmanagement
Ein mittelständisches Chemieunternehmen betreibt mehrere Blockheizkraftwerke zur Eigenversorgung. Durch die Flexibilisierung der BHKW-Fahrweise und die Integration flexibler Produktionslasten (Pumpen, Lüftung) konnte das Unternehmen:
- Am Regelenergiemarkt (Sekundärreserve) teilnehmen
- Zusätzliche Erlöse von ca. 80.000 € pro Jahr generieren
- Energiekosten durch optimierte Fahrweise um 12% senken
- Einen Beitrag zur Netzstabilität leisten
Beispiel 2: Kühlhaus mit Temperaturflexibilität
Ein Kühlhaus-Betreiber nutzte die thermische Trägheit seiner Kühlzellen zur Flexibilitätsvermarktung. Bei niedrigen Strompreisen oder hoher Verfügbarkeit erneuerbarer Energien werden die Kühlhäuser unter die Zieltemperatur gekühlt, bei hohen Preisen wird die Kühlung temporär reduziert.
- Teilnahme am Intraday-Markt und Regelenergiemarkt
- Erlöse von ca. 45.000 € pro Jahr bei einer Kühlleistung von 2 MW
- Keine Beeinträchtigung der Produktqualität
- Stromkostensenkung um ca. 8%
Beispiel 3: Industriebetrieb mit Batteriespeicher
Ein Produktionsbetrieb installierte einen Batteriespeicher (1,5 MW / 3 MWh) zur Lastspitzenkappung und Flexibilitätsvermarktung:
- Teilnahme an Primärregelleistung und Intraday-Arbitrage
- Reduzierung der Netzentgelte durch Peak Shaving um ca. 65.000 € jährlich
- Zusätzliche Markterlöse von ca. 90.000 € pro Jahr
- Amortisation der Investition nach ca. 3,5 Jahren
Die Rolle von ifesca bei der Flexibilitätsvermarktung
ifesca positioniert sich als führender Anbieter intelligenter Energiemanagementlösungen, die Industrieunternehmen bei der Erschließung und Vermarktung ihrer Flexibilitäten unterstützen. Die Plattform ifesca.ENERGY® bietet:
KI-gesteuerte Prognosen und Optimierung
Durch eigenständige Prognosealgorithmen ermöglicht ifesca.ENERGY® präzise Vorhersagen von Energieverbrauch, Erzeugung und Marktpreisen. Diese Prognosen bilden die Grundlage für optimale Steuerungsentscheidungen und maximieren den wirtschaftlichen Nutzen der Flexibilitätsvermarktung.
Nahtlose Integration in bestehende Infrastrukturen
ifesca.ENERGY® bindet sich an vorhandene Systeme und Geräte an, ohne dass umfangreiche Umbauten notwendig sind. Die präzise Messwerterfassung und die Anbindung über standardisierte Schnittstellen ermöglichen einen schnellen Start.
Bis zu 40% Energieeinsparung
Durch intelligente Steuerung von Verbrauch, Erzeugung und Speicherung können Industrieunternehmen mit ifesca.ENERGY® bis zu 40% ihrer Energiekosten einsparen. Die Kombination aus Lastmanagement, optimierter Eigenerzeugung und Flexibilitätsvermarktung schafft erhebliche wirtschaftliche Vorteile.
Ganzheitlicher Ansatz
ifesca bietet nicht nur Software, sondern einen ganzheitlichen Ansatz:
- Potenzialanalyse: Identifikation und Bewertung vorhandener Flexibilitäten
- Implementierung: Technische Umsetzung und Integration
- Vermarktung: Zugang zu relevanten Märkten und laufende Optimierung
- Support: 24/7-Monitoring und technische Unterstützung
Fazit: Flexibilitätsvermarktung als Chance für die Industrie
Flexibilitätsvermarktung bedeutet für Industrieunternehmen weit mehr als nur eine zusätzliche Einnahmequelle. Sie ist ein strategischer Baustein für ein modernes, kosteneffizientes und nachhaltiges Energiemanagement. Unternehmen, die ihre vorhandenen Flexibilitäten erschließen und intelligent vermarkten, profitieren mehrfach:
- Ökonomisch: Zusätzliche Erlöse, reduzierte Energiekosten, bessere Anlagenauslastung
- Ökologisch: Beitrag zur Energiewende, CO₂-Reduktion, Förderung erneuerbarer Energien
- Strategisch: Imagegewinn, erhöhte Versorgungssicherheit, technologische Kompetenz
Die technischen und regulatorischen Hürden sind durch spezialisierte Dienstleister und intelligente Energiemanagementsysteme wie ifesca.ENERGY® gut zu bewältigen. Die Amortisationszeiten sind kurz, und die langfristigen Vorteile überwiegen bei Weitem die Anfangsinvestitionen.
In Zeiten volatiler Energiemärkte und steigender Anforderungen an Nachhaltigkeit ist Flexibilitätsvermarktung keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit für zukunftsorientierte Industrieunternehmen. Wer jetzt handelt, sichert sich Wettbewerbsvorteile und leistet einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Energiewende.
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